Kopfbäume sind wesentliche Bestandteile unserer „Münsterländer Parklandschaft.“ Kopfbäume hatten ursprünglich eine rein wirtschaftliche Bedeutung:

Weidenäste dienten als Brennholz und waren Bestandteil der Flechtzäune. Weidenruten wurden zum Flechten von Körben verwendet und dienten zur Aussteifung der Ausfachungen der Fachwerkhäuser. Weidenrinde wurde zum Gerben von Leder (Gerberlohe) und zur Bereitung eines Weidenrindentees benutzt. Weidenblätter schließlich konnten zum Färben verwendet werden, das Laub wurde außerdem zur Einstreu genutzt. Heute sind es vor allem ökologische und kultur-historische Gründe, die für die Erhaltung und Neuentwicklung von Kopfbäumen sprechen.

Sie dienen im Frühjahr als erste Bienenweide (Pollenspender), sind Schattenspender fürs Vieh, bieten einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen, bereichern das Landschaftsbild und tragen zur Biotopvernetzung bei.

Baumarten
Trauerweide als Kopfbaum in Hoxfeld

Unter den Kopfbaumarten überwiegen besonders die Weiden. Häufigster Kopfbaum im Münsterland ist die Silberweide, aber auch Fahlweide. Bruchweide, Korbweide sowie Eschen wurden gelegentlich zur Kopfbäumen entwickelt. Buchen. Eichen und Linden sind dagegen nur selten als Kopfbäume anzutreffen. Kopfbäume sind Bereicherungen für das Landschaftsbild.

Tiere der Kopfbäume

Alte und absterbende Kopfbäume sind aufgrund des Höhlenreichtums für den Artenschutz von besonders hohem Interesse. Sie beherbergen neben Moosen, Flechten, Pilzen und Blütenpflanzen (sog. Überpflanzen) eine Reihe von besonders spezialisierten Tierarten. Der bekannteste Bewohner ist der Steinkauz, denn er ist fast ausschließlich an Kopfbäume gebunden. Deren Höhlen beherbergen aber auch eine Reihe anderer Vogelarten wie Hohltaube, Zaunkönig, Gartenrotschwanz und verschiedene Meisen

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Kopfbäume dienen außerdem einigen Fledermäusen als Sommer- und Winterquartier und werden vom Steinmarder als Tagesversteck genutzt. Die Baumrinde und die Krone mit ihrem zersetzten Mulm dient zahlreichen Käfern, Asseln, Tausendfüßlern und Hornissen als Wohnstätte und Lebensraum. So sind beispielsweise 100 Käferarten unmittelbar auf Kopfweiden angewiesen.

Pflege von Kopfbäumen
Weiden müssen alle paar Jahre „geschneitelt“ werden. Dadurch bilden sich Hohlräume, die unter anderem dem Steinkauz als Nistraum dienen. Verpasst man dieses Pflegeaktion, passiert das, was man auf dem Foto sieht, weil das Gewicht der hochwachsenden Äste für den Stamm zu groß wird.

Um diese traditionellen Landschaftselemente auch heute noch zu erhalten, müssen Kopfbäume, da ihre ursprüngliche Nutzung nicht mehr gegeben ist, gepflegt werden. Sie müssen regelmäßig “abgesetzt“ oder “geschneitelt“ werden. Geschieht diese Pflege nicht, brechen die Bäume auseinander und sterben ab.
Folgende Punkte sind bei dieser Pflegemaßnahme zu beachten:

  • der Rückschnitt sollte in einem Turnus von 8 bis 15 Jahren erfolgen,
  • die Schneitelung ist zwischen Oktober und Februar durchzuführen,
  • der Rückschnitt sollte möglichst nahe am Stamm erfolgen,
  • ein Teil des Reisigs sollte als Todholzhaufen liegengelassen werden und so als Versteck für Tiere dienen,
  • abgestorbene Stümpfe sollten nicht entfernt, sondern dem natürlichen Zerfall überlassen werden, um bestimmte Insekten und zersetzende Pilze zu fördern,
  • das anfallende Holz lässt sich als Brennholz verwenden oder als Faserholz verkaufen und sollte zu diesem Zweck in 1 m lange Stücke geschnitten werden.
Neuanpflanzung und Entwicklung von Kopfbäumen

Viele Kopfbäume sind überaltert und im Laufe der letzten Jahre nach und nach aus der “Münsterländischen Parklandschaft“ verschwunden. Deshalb kommt heute der Neuanpflanzung und Entwicklung von Kopfbäumen größte Bedeutung zu. Dabei sollte folgendes beachtet werden:

  • Vorhandene Kopfbaumreihen oder -gruppen sollten durch Neuanpflanzungen ergänzt werden.
  • Zur Neuanpflanzung können die beim Schneiteln anfallenden Aste verwendet werden.
  • Der Durchmesser der Aste sollte 5 bis 10 cm betragen.
  • Diese werden in der Regel auf 3 m Länge geschnitten und anschließend ca. 70 bis 100 cm tief eingepflanzt.
  • Um die Bewurzelung zu verbessern, muss die Rinde möglichst unbeschädigt sein.
  • Der Pflanzabstand sollte 4 bis 8 m betragen.
  • Es empfiehlt sich, die Kopfbäume in Reihen oder Gruppen zu pflanzen.
  • Die Pflanzung sollte möglichst am Rande von Fließgewässern oder Grünlandflächen erfolgen.
  • Zu vorhandenen Drainagesträngen sind ausreichende Abstände einzuhalten.
  • Der erste Rückschnitt sollte schon im zweiten Jahr nach der Pflanzung erfolgen und zwischen 1,8 m und 2,5 m Höhe angesetzt werden.