Obstwiesen sind flächige Anpflanzungen breitkroniger Obstbäume, die eine Stammhöhe von mindestens 1‚5 m haben. Werden diese zusätzlich extensiv als Mähwiese genutzt und nicht nach festen Spritz-, Schnitt- oder Düngeplänen bewirtschaftet, so spricht man auch von Streuobstwiesen. Solche hochstämmigen Apfel-, Birnen-, Zwetschgen-, Mirabellen-, Pflaumen- und Kirschbäume prägten früher viele Ortschaften, Ortsränder und Feldfluren. Sie waren ein fester Bestandteil der bäuerlichen Kulturlandschaft des Münsterlandes und dienten der Selbstversorgung der örtlichen Bevölkerung mit Frischobst. In den letzten 30 Jahren hat die Fläche der Obst- und Streuobstwiesen bundesweit deutlich abgenommen. Die wichtigsten Ursachen dafür waren:

  • ein verändertes Kaufverhalten der Verbraucher
  • geänderte Qualitätsansprüche des Marktes
  • der Ersatz alter Obstwiesen durch intensiv genutzte Niederstamm-Kulturen (Obstplantagen)
  • die Umwandlung von Obstwiesen in Ziergärten, Acker oder andere Nutzungen
  • die Vernachlässigung von Nachpflanzungen und regelmäßiger Pflege
Bedeutung von Obstwiesen

Früher wurden Obstwiesen vor allem aus wirtschaftlichen Erwägungen angelegt; heute sind es hingegen ökologische Gründe, die für den Erhalt und die Neuanlage von Obstwiesen sprechen.

Streuobstwiesen

  • sind ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen
  • beherbergen Tierarten, die in angrenzenden Flächen Schädlinge verzehren. Sie dienen damit auch der biologischen Schädlingsbekämpfung
  • schützen den Boden vor Erosion. Sie regulieren das Klima in der freien Landschaft und sind wichtige Schattenspender für das Vieh.
  • liefern dem Besitzer frisches Obst zum Eigengebrauch und zum Verkauf
  • sind mit ihren großen Blütenreichtum im Frühjahr eine unersetzliche Bienenweide
  • sind Schmuckstücke für die Landschaft und geben der ‚ Münsterländer Parklandschaft“ ihren besonderen typischen und liebenswerten Charakter. Sie prägen das Landschaftsbild und sind eine Freude für jeden Betrachter.
Tiere der Obstwiesen

Alte Obstwiesen sind nicht nur bevorzugte Lebensräume vieler Insekten, sondern auch Rückzugsgebiete für zahlreiche, z. T. landesweit

gefährdete Vogel- und Säugetierarten:

  • Steinkauz
  • Raubwürger
  • Neuntöter
  • Wendehals
  • Grünspecht
  • Grauspecht
  • Gartenrotschwanz
  • Gartenbaumläufer, Steinmarder
  • Haselmaus,
  • Gartenschläfer

Viele von ihnen sind Charakterarten der Lebensgemeinschaft Obstwiese.

Neuanlage und Pflege von Obstwiesen

Wegen der hohen ökologischen Bedeutung von Obstwiesen ist es besonders wichtig, vorhandene Anlagen zu pflegen und neue Obstwiesen anzulegen.

Bei der Neuanlage von Obstwiesen sind folgende Gesichtspunkte zu beachten:

  • Es sollten virusfreie und sortenechte Obstbäume aus anerkannten Markenbaumschulen verwendet werden.
  • Spätfrostgefährdete Lagen, Nord- und Osthänge sowie ständig nasse und tonreiche Böden sind zu meiden.
  • Es sollten möglichst viele Arten bzw. Sorten verwendet werden.
  • Bei Apfel- und Birnenkulturen ist auf passende Befruchtersorten zu achten.
  • Es sollten auch lokale Obstsorten verwendet werden.
  • Gegenüber Nachbargrundstücken ist ein ausreichender Grenzabstand einzuhalten.
  • Die Pflanzung sollte möglichst im Herbst, ggf. auch noch im Frühjahr erfolgen
  • .Jeder junge Hochstamm ist durch einen Baumpfahl zu sichern.
  • Zum Schutz gegen Wühlmäuse sollte die Pflanzgrube mit einem Drahtkorb ausgelegt werden.
Pflege von Obstwiesen

Obstbäume sind Kulturbäume. Sie sind auf menschliche Pflegemaßnahmen angewiesen, um sich voll entwickeln zu können und um nicht frühzeitig zu vergreisen.

Pflege in der Jugend:
  • Zum Aufbau einer tragfähigen Krone sollte ein jährlicher Erziehungsschnitt erfolgen.
  • Die Baumscheibe sollte pflanzenfrei gehalten und mit Mulch abgedeckt werden.
  • Der junge Baum ist durch Drahthosen oder einem Zaun vor Verbiss durch Wild oder Weidevieh zu schützen.
  • Eine Düngung sollte nur nach vorheriger Bodenuntersuchung erfolgen.
  • Im 1. Standjahr sollte der Baum während sommerlicher Trockenperioden bewässert werden.
Pflege im Alter:
  • Alle 2 – 5 Jahre sollte ein Erhaltungsschnitt erfolgen.
  • Die Auslichtung sollte im Spätwinter oder im Frühling erfolgen.
  • Streuobstwiesen sollten beweidet oder regelmäßig gemäht werden. Der erste Schnitt sollte im Juli, der zweite im September erfolgen.
  • Entstandene Lücken sollten durch Nachpflanzungen ersetzt werden.
  • Eine Düngung durch Stickstoff-Dünger sollte vermieden werden; Kalium und Phosphor sollten nur bei Bedarf gegeben werden.
  • Chemische Mittel zur Schädlings-, Pilz- und Unkrautbekämpfung sollten nicht angewendet werden.

Apfelbäume können 80 – 100 Jahre, gewisse Birnensorten sogar bis 300 Jahre alt werden. Obstbäume leben länger und produzieren mehr Obst, wenn sie auch im Alter regelmäßig gepflegt werden.

Obstwiesenschutzprogramm

Um dem Rückgang der extensiv genutzten Obstwiesen entgegenzuwirken, stellen das Land Nordrhein-Westfalen und die Kreise Fördermittel zur Neuanlage von Obstwiesen zur Verfügung.

Die Förderung ist an folgende Voraussetzungen geknüpft:
  • Bei Neu- und Ergänzungspflanzungen muss eine mindestens 15 jährige Erhaltung der Bestände gesichert sein.
  • Die Gesamtfläche der bestehenden oder anzulegenden Obstwiese sollte mindestens 0,25 ha betragen
  • Es dürfen nur Hochstämme angepflanzt werden.
  • Auf Schädlings-, Pilz- oder Unkrautvernichtungsmittel sollte verzichtet werden.
  • Die Obstwiese sollte extensiv als Mähwiese oder Weide genutzt werden.
  • Die Düngung sollte stark reduziert oder ganz eingestellt werden.