…sind Lebensräume

Sicher denken Sie bei dem Begriff „Saum“ zunächst an den unteren Rand von Röcken, Hosen oder Mänteln. Im folgenden geht es um „Randbereiche“ unserer Kulturlandschaft, die man, da es sich um wertvolle Lebensräume handelt, als Saumbiotope zusammenfasst. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, dann sollten Sie es nicht „versäumen“, die folgenden Zeilen mit Muße zu lesen.

Was sind eigentlich Säume?

Als Saum bezeichnet man den (krautigen) Kontaktbereich sich berührender Lebensräume und ihrer Lebensgemeinschaften. Säume zeichnen sich u. a. durch den kleinräumigen Wechsel von Wärme-, Licht- und Feuchte- bzw. Nährstoffverhältnissen aus.

Die Vielgestaltigkeit der Lebensbedingungen in dem schmalen Übergangsstreifen von Wald zu Grünland bewirkt, dass darin Pflanzen- und Tierarten beider sehr unterschiedlicher Lebensräume eng miteinander vergesellschaftet sind. Da sich an Waldrändern – wie in anderen Säumen – zudem eine eigenständige Lebewelt ausgebildet hat, ist die Artenvielfalt dort zumeist größer als im Wald und auf angrenzenden Grünlandflächen (Grenzlinieneffekt).

Krautsäume entwickeln sich auch entlang von Hecken sowie im Uferbereich von Fließ- und Stillgewässern jeder Art. Ackerrandstreifen, Feldraine, Gräben, Böschungen, Bahndämme, tote Gleise, Weg- und Straßenränder sind weitere, wenn auch nicht natürliche Saumstandorte.

Typische Krautsäume im Westmünsterland

Je nach den vorherrschenden Lebensbedingungen bilden sich sehr verschiedenartige Säume aus. An stickstoffreichen Standorten, z. B. entlang von Straßengräben, finden sich zumeist artenarme Säume, die von den weißen Dolden von Bärenklau, Wiesenkerbel und Kälberkropf sowie von der Brennnessel geprägt sind. Nährstoffärmere Gräben fallen von Frühling bis Herbst durch ihre Vielfarbigkeit auf. Typische Pflanzen sind u. a. Sumpfdotterblume, Wiesenschaumkraut und Kuckuckslichtnelke.

Entlang von Hecken und an Waldrändern wachsen die verschiedensten Kräuter.

Auf der Schattenseite sind regelmäßig anzutreffen:

  • Knoblauchsrauke
  • Schöllkraut
  • Weiße Taubnessel
  • Stinkender Storchschnabel

Dagegen gedeihen auf der Sonnenseite oftmals wärmeliebende Arten wie:

  • Odermennig
  • Wilder Majoran
  • Echtes Labkraut

Im Oktober/November ziert ein dichtes, gelbes Blütenband die Mittelstreifen der niederrheinischen Autobahnen. Es besteht aus den Köpfchen des Schmalblättrigen Greiskrautes, ein Korbblütler, der erst vor wenigen Jahren bei uns eingewandert ist.

Bedeutung für den Naturhaushalt

In blütenreichen Säumen finden sich auffallend viele Insekten ein, darunter

  • Wildbienen
  • Hummeln
  • Bockkäfer
  • Schwebfliegen und
  • Schmetterlinge

Auf der Suche nach Nektar bzw. Pollen bestäuben sie nicht nur Wild-, sondern auch manche Kulturpflanzen und dienen ihrerseits wie z. B. den Krabben- und Kreuzspinnen aber auch zahlreichen Vögeln als unersetzliche Nahrungsquelle.

Die Entwicklung und Überwinterung der meisten saumbewohnenden Insektenarten erfolgt nicht in den Säumen selbst, sondern im (toten) Holz von Sträuchern und Bäumen oder im Erdboden. Das gesamte Artenspektrum unserer Säume stellt sich folglich nur dann ein, wenn in unmittelbarer Nähe Totholz, Laubbäume, Holunder- oder Brombeersträucher, ersatzweise naturbelassene Eichenzaunpfähle, sowie unversiegelter Boden vorhanden sind. Generell kann man sagen:

Krautsäume

  • erfüllen in unserer Kulturlandschaft weitere wichtige Aufgaben:
  • sind Lebensraum zahlreicher gefährdeter Tier- und Pflanzenarten.
  • dienen vielen Tieren, z. B. Feldhasen und Rebhühnern, als Deckung. Zudem bieten sie nützlichen Insekten Nahrung, u. a. Schlupfwespen, die Schadinsekten wie verschiedene Nachtfalterraupen auf höchst umweltgerechte Weise „entsorgen“.
  • bereichern das Bild der Landschaft und erhöhen so deren Erlebnis- und Erholungswert.
  • sind linienhaft ausgebildete Strukturen und zugleich wertvolle Lebensräume. Damit leisten sie einen entscheidenden Beitrag zur Ausbreitung von Pflanzen und Tieren und zur Vernetzung unserer Landschaft im Sinne des Biotopverbunds.

Übrigens: Pflanzenfressende Insektenlarven wie die Raupen unserer Tagfalter sind zumeist auf wenige Wildpflanzenarten spezialisiert. Insbesondere die in sonnigen Säumen lebenden ausschließlich Brennnesselblätter vertilgenden Raupen einiger Schmetterlingsartenwie:

  • Kleiner Fuchs
  • Tagpfauenauge
  •  Admiral, u. a.

sind keinerlei Bedrohung für angrenzende landwirtschaftliche Nutzflächen.

Gefährdung von Krautsäumen

Blütenreiche und damit ökologisch besonders wertvolle Säume sind bei uns nur noch selten anzutreffen. Die wichtigsten Ursachen hierfür sind:

  • Zerstörung von Hecken und Feldrainen, z. B. im Straßenbau und bei anderen Landschaftseingriffen;
  • ungenügendes Raumangebot, z. B. zu gering bemessene Breite von Straßenbanketten, zu dichtes Heranpflügen an Waldränder, Hecken, Feldraine, Böschungen und Gräben;
  • Eintrag von Stick- u. a. Nährstoffen durch Einwehen und Einschwemmen von Düngemitteln;
  • Gezielter Einsatz und unbeabsichtigte Einwirkung von Pflanzenschutzmitteln und anderen Bioziden;
  • Zu häufige oder zu einem ungünstigen Zeitpunkt erfolgende Mahd.
Schutz, Entwicklung und Pflege der Säume

Nach dem Landschaftsgesetz ist es abgesehen von Maßnahmen zur Pflege bzw. „bestimmungsgemäßen Nutzung‘ verboten, die Bodendecke auf Feldrainen, Böschungen und an Straßen- und Wegrändern abzubrennen, zu beschädigen, zu vernichten oder mit chemischen Mitteln niedrig zu halten.

Maßnahmen der Landesregierung, z. B. das Ackerrandstreifenprogramm, und das Forschungsprojekt „Rebhuhn“ im Kreis Wesel fördern die Entwicklung von Saumbiotopen. Wollen wir die Säume erhalten, dann müssen Gefährdungen zukünftig vermieden, das Netz von Saumlebensräumen ergänzt und diesen mehr Raum als bisher zugestanden werden.
Damit Krautsäume in einem aus ökologischer Sicht bestmöglichen Zustand erhalten bleiben, müssen sie regelmäßig gemäht werden, und zwar:

  • Waldränder, Böschungen und Gewässerrandstreifen etwa alle 3 – 5 Jahre im Spätsommer;
  • Heckensäume, Grabenränder und Feldraine höchstens einmal jährlich ab Juli bzw. im Herbst;
  • Straßenbanketten zweimal pro Jahr (nach der Grasblüte im Juli und ab Ende September).

Jede Mahd ist immer auch ein Eingriff in die Natur. Um diesen zu begrenzen, muss die Saumpflege abschnittsweise erfolgen. Das Mahdgut ist stets abzuräumen.

Bitte helfen Sie mit die Natur zu schützen!

Wertvolle Krautsäume können sich auch in Ihrem Garten entwickeln, z. B. rund um Gartenteich und Komposthaufen oder hinter der Laube. Zahlreiche Insekten und bunte Blumen werden Ihnen diesen Mut zur Unordnung danken.

Noch Fragen?

Bitte wenden Sie sich an:

  • Die Untere Landschaftsbehörde ihres Kreises
  • eine Ihnen bekannte Biologische Station
  • einen Ihnen bekannten Naturschutzverein oder Naturschutzverband
  • oder senden Sie uns eine E-Mail
  • Sie können uns aber auch einfach anrufen.