Borkener Zeitung vom 10. September 2016

Veröffentlicht am 14. September 2016 in der Kategorie Presse

Zeitungsartikel aus der Borkener Zeitung vom 10. September 2016

Turm-„Hotel“ in Heiden fĂŒr FledermĂ€use und Vögel

Ein Turm-Hotel der besonderen Art hat die Stiftung Kulturlandschaft des Kreises Borken jetzt in Heiden-Leblich eröffnet.

Die GĂ€ste, die hier in der NĂ€he des Kranenmeeres kĂŒnftig einfliegen und Quartier beziehen werden, heißen zum Beispiel Haus-Rotschwanz, Turmfalke, Star, Sperling, Dohle, Fledermaus und Hummel.

Auf Anregung des frĂŒheren BĂŒrgermeisters Heiner Buß hat die Stiftung die ehemalige Umspannstation mit UnterstĂŒtzung des Natur- und Vogelschutzvereins Borken wĂ€hrend der vergangenen Monate so umgerĂŒstet und ausgestattet, dass Vögel, FledermĂ€use und Insekten hier ein neues Zuhause finden können. Der knapp neun Meter hohe Turm soll BĂŒrgern außerdem Anregungen liefern, wie auch sie an ihren HĂ€usern wieder Brut- und Nistmöglichkeiten fĂŒr zum Teil vom Aussterben bedrohten Tieren schaffen können.

Umspannstation wurde 1958 gebaut

„Es ist die erste nicht mehr benötigte Umspannstation, die so genutzt wird“, sagte Michael Schmidt, Kommunalbetreuer von „innogy“ (frĂŒher RWE). Diese hatte den Turm 1958 errichten lassen. „Er diente dazu, den Strom, der ĂŒber eine Freileitung mit einer Spannung von 10.000 Volt nach Heiden kam, in eine niedrigere Spannungsebene umzuwandeln“, erlĂ€uterte Schmidt bei einer symbolischen SchlĂŒsselĂŒbergabe am
Donnerstag. Mit einer Spannung von 400 Volt sei der Strom von hier in die Haushalte verteilt worden. Mit der Umstellung der Stromversorgung auf Erdkabel und der Errichtung kompakter Trafo-Stationen wĂŒrden diese „Zeitzeugnisse der lĂ€ndlichen Stromversorgung“ nicht mehr benötigt.

Fledermaus-Quartiere hinter der LĂ€rchenholz-Verkleidung

Im oberen Teil erhielt der Turm eine Holzverkleidung. Dabei spielte die Optik allerdings eine nachrangige Rolle, wie Norbert Stuff von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Borken erlĂ€uterte. Stuff hatte die Umgestaltung der Umspannstation fachlich begleitet. „Die LĂ€rchen-Holzverschalung ist von hinten offen. FledermĂ€use haben so die Möglichkeit, hier Quartier zu beziehen“, erfuhren die GĂ€ste der kleinen Eröffnungsfeier. Weitere Fledermaus-Quartiere seien im Inneren des Turmes geschaffen worden. Die Einflugschneise fĂŒr die Tiere ist fĂŒr Passanten sofort zu erkennen.

ErklÀrungstafeln sind vorgesehen

ErklĂ€rungshilfen jedoch werden die meisten bei den unterschiedlichen vom Vogelschutzverein aus Holz gezimmerten KĂ€sten benötigen, die an den vier TurmwĂ€nden montiert sind. Zu diesen gehören zum Beispiel die aus Holzbeton gefertigten NistkĂ€sten fĂŒr Spatzen, das hölzerne „Apartement“ fĂŒr Hornissen, „die die Wespen fressen“, eine durchlöcherte Baumscheibe fĂŒr Insekten, BrutkĂ€sten fĂŒr Mauersegler und Schwalben. Tafeln mit entsprechenden ErklĂ€rungen sollen noch erstellt und am Turm montiert werden. Um Konflikte zu vermeiden, habe man allerdings auf Nistmöglichkeiten fĂŒr Schleiereulen verzichtet. „Sie fressen FledermĂ€use“, so Stuff.

Dieses „Hotel“ sei „etwas ganz Besonderes“, waren sich BĂŒrgermeister Hans-JĂŒrgen Benson und Edith GĂŒlker von der Stiftung Kulturlandschaft einig. Sie hoffen, dass viele Tiere das Angebot annehmen und das Beispiel Nachahmer findet.

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