Veröffentlicht am 20. Februar 2017 in der Kategorie Berichte
Fliegende Graugans – Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Erst nahm der Bus Fahrt auf zum Naturschutzgebiet Dingdener Heide, in dem auch die ersten Gänse- und Entenarten (vor allem Grau- und Blässgänse sowie Rostgänse, Krick-, Schnatter- und Stockenten) entdeckt wurden.

Das eigentliche Ziel der Exkursion war jedoch das Naturschutzgebiet „Bislicher Insel“ am Niederrhein. Es liegt zwischen Ginderich und Xanten und ist eine der letzten noch intakten Auenlandschaften Deutschlands am Xantener Altrhein. Auf einer Fläche von etwa zwölf Quadratkilometer ist dort ein naturnaher Lebensraum zu finden, der stark vom Rhein geprägt ist. Früher hatte der Rhein ein anderes Bett und es gab neben der heutigen Ortschaft Bislich eine Insel im Rhein. Weil sich der Flusslauf in der Vergangenheit jedoch mehrfach geändert hat, ist diese namensgebende Insel aber inzwischen verschwunden. Heute stehen 8,86 Quadratkilometer der Bislicher Insel unter Naturschutz.

Bei Hochwasser sind Teile der Bislicher Insel geflutet. Auch nach starken Regenfällen stehen manche Wiesen teilweise unter Wasser. Das Wasser zieht viele Vogelarten stark an. Das hat sich unter Naturfreunden herumgesprochen und vor allem Ornithologen suchen dieses Gebiet gerne auf.

Vor allem im Winter halten sich im Kerngebiet an den Seen zahlreiche Wasservögel auf. An den Flutmulden können auch im Sommer zahllose schöne und teils seltene Vögel angetroffen werden. Besonders beeindruckend sind die Mengen an arktischen Gänsen, die hier überwintern. So konnten sich die Teilnehmer der Exkurison an Tausenden von Weißwangen- und Blässgänsen erfreuen, die im besten Licht an der Flutmulde begeisterten.

An den Beobachtungshütten, die für Interessierte eingerichtet wurden, bekamen die Teilnehmer der Exkursion noch seltenere Arten wie Zwergsäger und Löffler zu sehn. Auch zwei Seeadler, die sich seit einigen Jahren im Gebiet aufhalten, waren im Fluge ebenso wie zwei Störche zu beobachten.

In Xanten ließ man sich Kaffee und Kuchen schmecken und nach einem kleinen Ausflug zu einem „Eulenbaum“, in dem seit vielen Jahren Waldohreulen (drei wurden entdeckt) überwintern, ging es mit schönen Eindrücken nach Borken zurück.

Einige der Arten im Naturschutzgebiet Bislicher Insel

Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Die Blässgans (Anser albifrons) brütet in den arktischen Gebieten vom Norden des europäischen Russlands bis Ostsibirien, dem arktischen Nordamerika und auf Grönland. Sie ist etwas kleiner als die Graugans und an ihrer weißen Stirnblässe sowie an der schwarzen Fleckung an ihrer Unterseite gut zu erkennen. Bei jungen Blässgänsen ist die schwarze Fleckung noch nicht vorhanden und auch die Stirnblässe kleiner. Blässgänse sind in Mitteleuropa ausschließlich Wintergäste. Ab Ende September treffen die ersten Blässgänse am Niederrhein ein. Der Rückzug erfolgt ab Februar bis März. Die Blässgans ist die am häufigsten auftretende Gans am Niederrhein.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Die Weißwangengans (Branta leucopsis) oder Nonnengans brütete früher ausschließlich an der russischen Eismeerküste. Seit den 1970er Jahren hat sie den Ostseeraum besiedelt und zählt mittlerweile auch zu den Brutvögeln Mitteleuropas (Vorkommen vor allem in Holland, in Deutschland im Vredener Raum). Sie ist nach wie vor jedoch überwiegend ein Wintergast, der meist als Einzelvogel oder in kleinen Trupps in Gesellschaft von Saat- und Blässgänsen beobachtet werden kann. Neuerdings halten  sich aber auch auf der Bislicher Insel Tausende von Nonnengänsen auf (bei unserer Exkursion im allerfeinsten Licht) und man fühlt sich ins niederländische Friesland versetzt, wo der überwiegende Teil des Weltbestandes überwintert.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Graugänse (Anser anser) zählen zu den häufigsten Wasservögeln und sind nach der Kanadagans die zweitgrößte Gänseart in Europa. Sie sind die wilden Vorfahren der domestizierten Hausgänse.

Von einem Tiefpunkt Anfang der 1970er Jahre, als nur noch etwa 20.000 in Europa lebten, hat sich der Bestand auf heute wohl über 300.000 Tiere erhöht. Dabei kam es sowohl zu einer dichteren Besiedelung traditioneller Brutgebiete als auch zu einer deutlichen Ausweitung des Brutareals vor allem in Deutschland und in den Niederlanden. Graugänse halten sich bei uns ganzjährig auf. Tiere aus Skandinavien und Russland überwintern zusätzlich aber auch am Niederrhein.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Die Saatgans (Anser fabalis) tritt ab Ende September als Wintergast am Niederrhein auf, allerdings in längst nicht so großen Anzahlen wie die Blässgans. Die Saatgans ist vor allem im Norden Mitteleuropas ein Durchzügler und Wintergast. Der deutsche Begriff Saatgans hat sich eingebürgert, weil man diese Gans häufig auf Wiesen und Getreidefeldern bei der Nahrungssuche beobachten kann. Der Schnabel der Saatgans ist immer zweifarbig. Leider konnten wir während unserer Exkursion keine Saatgänse beobachten.

Fotos: Hans-Wilhelm Grömping

Nilgans (Alopochen aegyptiaca) und Rostgans (Tadorna ferruginea) werden zu den Halbgänsen gezählt. Die Nilgans ist afrikanischen Ursprungs und lebt an nahrungsreichen Binnenseen und Flüssen. In den letzten Jahrzehnten breitete sich die Nilgans von den Niederlanden kommend entlang des Rheins in Mitteleuropa aus. Sie kommt mittlerweile selbst in städtischen Parks und anderen von Menschen häufig frequentierten Orten vor. Rostgänse sind in den innerasiatischen Steppen und Halbwüsten beheimatet. In Europa gibt es wildlebende Populationen (Tendenz steigend). Sowohl in der Dingdener Heide als auch in der Bislicher Insel konnten wir Nil- und Rostgans beobachten.

Fotos: Hans-Wilhelm Grömping

Zwergsäger (Mergellus albellus) sind Enten, die sich von Fischen ernähren. Sie brüten im hohen Norden Europas und Asiens und halten sich nur im Winter am Niederrhein auf. Die Männchen sind weiß und schwarz, die Weibchen unauffällig bräunlich. Etwa ein knappes Dutzend Zwergsäger waren von den Aussichtskanzeln zu beobachten.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Seit einigen Jahren werden Löffler (Platalea leucorodia) vor allem entlang der Rheinschiene auch in NRW gesichtet. Löffler -zur Familie der Ibisse zählend- waren nur inselartig verbreitet(Südspanien, Niederländische Inseln), dehnen derzeitig ihr Verbreitungsgebiet aber immer weiter aus. Den einzelnen Löffler konnte man von der 1. Aussichtskanzel bewundern.

Foto: Hans-Wilhelm Grömping

Als vor einigen Jahren die ersten Seeadler (Haliaeetus albicilla) am Xantener Altrhein auftauchten, war das nicht nur für Ornithologen eine Sensation.
Mittlerweile hat sich ein Paar gefunden und man hofft auf eine erfolgreiche Brut und weitere Ausbreitung der früher so seltenen Art.
Ein Seeadlerpaar schraubte sich vor unseren Augen (und zu unserer Freude) umgeben von einigen Weißstörchen in luftige Höhe.

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