Aktuelles: Presse

Borkener Zeitung vom 12. November 2025

Veröffentlicht am 28. November 2025 in der Kategorie Presse

Neuer Kalender spiegelt Vielfalt der Natur im Kreis

Die Schönheit und Vielfalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt spiegelt sich in dem neuen Jahreskalender des Natur- und Vogelschutzvereins wider. Die Motive für Januar bis Dezember 2026 stammen allesamt von Hans-Wilhelm Grömping. Er „fing“ mit dem Tele-Objektiv unter anderem die Turmfalken-Familie am Wedemhove-Turm ein.

„Wir möchten mit diesem Kalender Freude an der Natur vermitteln, aber auch Impulse geben. Es gilt nach wie vor: Was man kennt, schützt und liebt man“, erklärt Vereinsvorsitzender Jochen Teroerde. Der Fotokalender kostet sieben Euro und ist ab sofort an folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Garten Picker, Blumenhaus Wansing, Touristeninfo Borken, 4Eck, Foto Cassee, Propsteibüro St. Remigius sowie Buchhandlung Eggers. Außerdem ist der Kalender bis zum 23. Dezember jeden Dienstagmorgen von 9.30 bis 11 Uhr im Wedemhoveturm in Borken erhältlich.

Pressedienst des Kreises Borken vom 28.10.2025

Veröffentlicht am 09. November 2025 in der Kategorie Presse

„Heimische Natur im Blick“: Natur- und Vogelschutzverein Kreis Borken gibt Fotokalender 2026 heraus

Landrat Dr. Kai Zwicker und Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing freuen sich über das Engagement / Kalender lenkt Blick auf die Themen Nachhaltigkeit und Artenvielfalt

Kreis Borken. Nach dem Erfolg im Jahr 2020 hat der Natur- und Vogelschutzverein Kreis Borken jetzt im Beisein von Landrat Dr. Kai Zwicker und Borkens Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing im Borkener Kreishaus seinen neuen Fotokalender für das Jahr 2026 vorgestellt. Unter dem Titel „Heimische Natur im Blick“ sind darin großformatige Natur- und Landschaftsaufnahmen aus der Region zu sehen. Alle Fotos im Kalender stammen von Vereinsmitglied Hans-Wilhelm Grömping.

Landrat Dr. Zwicker und Bürgermeisterin Schulze Hessing begrüßten ausdrücklich die Initiative des Natur- und Vogelschutzvereins: Der Fotokalender enthalte eine vielseitige Darstellung heimischer Natur. Er sei gleichzeitig ein eindringlicher Aufruf zur Bewahrung der Biodiversität im Westmünsterland. „Es freut mich sehr, dass der ‚Natur- und Vogelschutzverein Kreis Borken e. V.‘ 2026 erneut seinen sehenswerten Wandkalender auflegt“, hob Landrat Dr. Kai Zwicker bei der Präsentation hervor. „Die tollen großformatigen Fotos zeigen Monat für Monat die Vielfalt unserer heimischen Natur und Landschaft der Region im Jahresreigen.“ Dabei werden die farbenfrohen Aufnahmen mittels grafisch geschickt integrierter, pointierter Textzeilen erläutert, so dass sich die optische Wirkung der Bilder voll entfalten kann. „Dieser Kalender gibt nicht nur eindrucksvolle Einblicke in die Vielfalt unserer heimischen Natur, sondern hält zugleich spannende und wissenswerte Informationen bereit“, schloss sich Bürgermeisterin Mechtild Schulze Hessing dem Lob an die Verantwortlichen des Vogel- und Naturschutzvereins an.

Kreis und Kommunen verfolgten insbesondere mit der kreisweiten Landschaftsplanung unter anderem das Ziel, einen Biotopverbund zu schaffen, um die Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu sichern und auszuweiten. Im Rahmen von Landschaftspflegeprojekten und in Kooperation mit den kreisangehörigen Kommunen, Landwirten und Verbänden setzt der Kreis Borken Blühstreifen-Projekte, extensive Grünlandpflege und Vertragsnaturschutz um. Solche Maßnahmen stärken nicht nur die Biodiversität, sondern schaffen gleichzeitig einen sichtbaren Mehrwert für die Bevölkerung in Sachen Erholung und Gestaltung des Ortsbildes, hieß es. Das trage zur Akzeptanz von Naturschutz bei und verbinde ökologische Facharbeit mit Alltagsnutzen.

„Seit vielen Jahrzehnten setzt sich der Natur- und Vogelschutzverein Kreis Borken mit großer Kompetenz und unermüdlichem Einsatz für den Schutz und die Pflege der natürlichen Lebensräume ein“, erläuterte der Vereinsvorsitzende Jochen Teroerde bei der Kalendervorstellung. Als Beispiele nannte er etwa das Anbringen von Nistkästen, die Pflege von Biotopen, die Durchführung von Exkursionen und die Umweltbildung. „Nachhaltigkeit und Artenvielfalt entstehen nicht von allein, sondern brauchen Menschen, die Verantwortung übernehmen, hinschauen und handeln“, unterstrichen Bürgermeisterin und Landrat. Der Einsatz des Natur- und Vogelschutzvereins Kreis Borken e.V. leiste hierzu einen wichtigen Beitrag. „Wir möchten mit diesem Kalender Freude an der Natur vermitteln, aber auch Impulse geben. Es gilt nach wie vor: Was man kennt, schützt und liebt man“, erklärte Jochen Teroerde abschließend.

Der Fotokalender 2026 „Heimische Natur im Blick“ kostet 7 Euro und ist ab sofort an folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Garten Picker, Blumenhaus Wansing, Touristeninfo Borken, 4Eck, Foto Cassee, Propsteibüro St. Remigius sowie Buchhandlung Eggers. Außerdem ist der Kalender bis zum 23. Dezember jeden Dienstagmorgen von 9.30 bis 11 Uhr im Wedemhoveturm in Borken erhältlich.

Weitere Informationen zum Natur- und Vogelschutzverein Kreis Borken e.V. gibt es im Internet unter www.nuv-borken.de.

Rückfragen zu diesem Pressedienst:
0 28 61 681-2428


© Kreis Borken

Borkener Zeitung vom 13. Januar 2024

Veröffentlicht am 26. Januar 2024 in der Kategorie Presse

Mein Freund, der Baum

Von der Last der Jahrhunderte gebeugt steht sie da, auf Holzkrücken gestützt: die Erler Femeiche. Sie und weniger bekannte, aber ebenso eindrucksvolle „Kolleginnen“ der Eiche hat Marianne Bellenhaus im Bild festgehalten. Und daraus eine Foto-Ausstellung gemacht.

„Bäume“, sinniert die Künstlerin, „sind unsere Brüder, und sie erzählen uns Geschichten.“ Wo sie geht und steht, hat Bellenhaus ihre Kamera dabei. Und das schon seit Jahrzehnten. Ihre Fotobücher, die inzwischen zu einer stattlichen Sammlung angewachsen sind, spiegeln nicht nur ihren künstlerischen Ansatz wider, sondern enthalten auch Borkener Zeitgeschichte. Das alte Bahnhofsgebäude zum Beispiel oder die Mietshäuser an der Hawerkämpe , nicht zu vergessen die Häuserzeile an der Mühlenstraße hat Bellenhaus, die in ihrem aktiven Berufsleben Schulleiterin in Dorsten war, ebenso dokumentiert wie das neu entstehende Mühlenquartier. Ein besonderes Faible hat sie für Lost Places entwickelt. Orte, die dem Verfall ausgesetzt sind und bei näherem Hinsehen ihren ganz eigenen Charme entfalten. Wo was bröckelt und blättert, rumliegt und rostet, verwildert und verfällt, da ist sie zur Stelle. Kacheln, Fenster, altes Inventar – all diese Dinge erzählen die Geschichte vom Nicht-mehr-gebraucht-werden. „Fotos sind Lichtbilder“, sagt Marianne Bellenhaus und sie meint das ganz wörtlich. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufnahme mit der Trauerweide am Pröbstingsee. Die Sonne, die sich durch den Nebel Bahn bricht, lässt den Baum, der sich im Wasser spiegelt, nur noch majestätischer wirken. Am liebsten fotografiert sie Eichen und Co. während der „kahlen„ Jahreszeit. Im unbelaubten Zustand würden die Verästelungen und damit die grafischen Strukturen der Bäume viel besser sichtbar werden. Auch die Borken und Rinden sind für Marianne Bellenhaus lohnende Motive, regen doch die eigentümlichen Verwachsungen die Fantasie an.

Fotogenen Bäumen läuft Marianne Bellenhaus nicht nur in Borken über den Weg. Auf ihren Streifzügen ist sie unter anderem in Berlin fündig geworden. Das Exemplar, das sich mitten auf dem Potsdamer Platz und vor der silbrigen Fassade der Deutsche Bahn-Zentrale einsam in die Höhe reckt – für Marianne Bellenhaus ist das ein klarer Fall. „Da muss ich zur Kamera greifen“, sagt sie.

Die Ergebnisse ihrer jahrelangen Fotopirsch hat die pensionierte Pädagogin neulich im Wedemhoveturm am Stadtpark präsentiert. Der Ausstellungsort lag insofern nahe, als dass der Turm seit vielen Jahren dem Natur- und Vogelschutzverein als Quartier dient. Nach der großen Resonanz auf die Schau in den drei Turmzimmern zeichnet sich eine Fortsetzung ab. Zu sehen sein könnten Bellenhaus‘ „Baumgeschichten“, so der Titel der Ausstellung, demnächst auch in der Schlossklinik Pröbsting – in deren Nähe die künstlerische Fotografin ebenfalls schon eindrucksvolle Exemplare entdeckt hat.

Borkener Zeitung vom 10. Mai 2023

Veröffentlicht am 14. Mai 2023 in der Kategorie Presse

Turmfalken-Küken am Wedemhoveturm geschlüpft

Seit einigen Jahren ist der Borkener Wedemhoveturm für einige Monate des Jahres Heimat von Turmfalken. So machen sie ihrem Namen an dem historischen Gebäude alle Ehre. Auch der Natur- und Vogelschutzverein hat seinen Sitz in dem Turm. Die Mitglieder haben nun seit geraumer Zeit durch eine Webcam technische Voraussetzungen geschaffen, mithilfe derer Bürger den Tieren gefühlt ganz nah sein können. Dank dieser Vorrichtung konnten interessierte Vogelfreunde auch die Entwicklung von vier Eiern bis hin zum Küken beobachten. Seit Sonntag ist nun auch das letzte der vier Küken geschlüpft. Eines der Jungtiere ist aktuell jedoch nicht mehr auf dem Kamerabild zu sehen. „Wohin es verschwunden ist, können wir allerdings auch nicht sicher sagen“, sagt Jochen Teroerde vom Vogelschutzverein. „Wir können leider auch nicht 24 Stunden beobachten, was die Tiere machen.“ Aus diesem Grund ruft der Verein auch andere aufmerksame Zuschauer dazu auf, Screenshots von sogenannten Meilensteinen zu machen. „Teilen Sie gerne einen Screenshot oder eine Beschreibung auf unserer Seite ‚Naturbeobachtungen‘“, heißt es auf der Webseite. Zu sehen ist die Live-Übertragung weiterhin unter www.nuv-borken.de.

Link zu www.borkenerzeitung.de

Borkener Zeitung vom 9. März 2023

Veröffentlicht am 17. März 2023 in der Kategorie Presse

Verein installiert Falken-Webcam

Tiere können im Internet beobachtet werden

Seit einigen Jahren ist der Borkener Wedemhoveturm für einige Monate des Jahres Heimat von Turmfalken. Sie machen ihrem Namen an dem historischen Gebäude alle Ehre. Auch der Natur- und Vogelschutzverein hat seinen Sitz in dem Turm. Die Mitglieder haben nun technische Voraussetzungen geschaffen, damit Bürger den Tieren gefühlt ganz nah sein können.

Seit einigen Jahren sei es von Frühling bis zum Sommer laut am Wedemhoveturm, wenn Turmfalken im Anflug sind. Sie brüten dort seit einiger Zeit und ziehen ihren Nachwuchs groß, berichtet der Verein. Akustisch werden Interessierte durch die Schreie der Vögel also regelmäßig auf sie aufmerksam. Seit einigen Tagen haben Interessierte allerdings auch die Möglichkeit, die Tiere aus der Nähe zu beobachten. Die Stadt Borken hat den Wedemhoveturm mit einem Router ausgestattet, der den Zugang zum Internet möglich macht. Die Naturschützer haben daraufhin im obersten Geschoss des Gebäudes auf der Innenseite des Fensters eine Webcam aufgestellt. Kaum waren die notwendigen Verbindungen hergestellt, sei das Falken-Weibchen angeflogen gekommen und habe das Nest inspiziert, heißt es. Einige Tage später schaute sich das Falkenpaar die mögliche Brutstätte an.

Turmfalken können bis zu 16 Jahre alt werden. Sie ernähren sich von Mäusen. Falls die nicht ausreichen, nähmen Falken sich schon mal kleine Vögel mit. Darüber hinaus stünden Eidechsen, Insekten, vor allem Käfer, Heuschrecken und Regenwürmer auf dem Speiseplan. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, würden sie bis zu vier Wochen lang gefüttert, erklären die Vertreter des Natur- und Vogelschutzvereins. Auch nachdem sie ausgeflogen sind, werden sie noch vier Wochen weiter betreut und gefüttert. Wer die Falken beobachten möchte, kann das im Internet auf dieser Seite tun:

www.nuv-borken.de/projekte/webcam/

Borkener Zeitung vom 12. Dezember 2022

Veröffentlicht am 23. Dezember 2022 in der Kategorie Presse

Wieder Kunst im Wedemhoveturm

Ausstellungsreihe startet mit Künstlerin Edlira Harapi

„Ich bin hier an diesem Turm schon so oft vorbeigelaufen, aber glauben Sie mir: Das ist heute das erste Mal, dass ich hier in den Wedemhoveturm gehe“, sagte Borkens stellvertretender Bürgermeister, Jürgen Fellerhoff am Samstagmorgen bei der Ausstellungseröffnung „Learn to fly“ der albanischen Künstlerin Edlira Harapi.

Edlira Harapi erzählte bei der Begrüßung von ihrer Zeit in Albanien. Dann von ihrer Ankunft in Deutschland, die zunächst etwas Angst mit sich gebracht, sich dann aber in Hoffnung gewandelt habe. Sie habe schnell Zuversicht gefasst, hier in Deutschland anzukommen und dem Wunsch nach Frieden und Glück für ihre Familie. Diese Thematik findet sich in ihren Werken.

Edmund Schroer und Jochen Teroerde vom Natur- und Vogelschutzverein als Veranstalter freuten sich über die Wiederbelebung der Reihe „Kunst im Turm“.

Borkener Zeitung vom 8. Oktober 2022

Veröffentlicht am 12. Oktober 2022 in der Kategorie Presse

Reiseführer durch das Reich der Pilze

Porträt Helmut Adam, Sachverständiger

Für Helmut Adam beginnt in diesen Tagen wieder die schönste Zeit des Jahres: die Pilzsaison. Temperatur und Bodenfeuchte und überhaupt der goldene Oktober verlaufen vielversprechend. Adam holt seine Standardausrüstung aus dem Kofferraum (Holzkörbchen und Pilzmesser mit integrierter Bürste) – und los geht‘s.

Start der Pilz-Pirsch ist am Forsthaus im Sternbusch. Kaum ist Adam ein paar Meter in den Wald hineingegangen, wird er auch schon fündig. Zwischen gestapelten Baumstämmen erspäht er ein buschig wachsendes Etwas in samtigem Weiß: Austernseitlinge. Was im Supermarkt wohl ein paar Euro kosten würde, gibt’s in der Natur gratis. Doch Adam entdeckt noch mehr: „Ich könnte allein an diesem Fleckchen den ganzen Tag verbringen“, sagt er, lacht und holt eine Lupe aus der Tasche. Auf einem modrigen Stückchen Holz werden bei zehnfacher Vergrößerung winzige Becherlinge sichtbar. Nicht essbar, aber schön anzuschauen.

Adam vollendet in diesem Monat sein 80. Lebensjahr. Schon seit seiner Kindheit ist der Borkener in der wundersamen Welt der Pilze zu Hause, in der putzige Namen wie Nelken-Schwindling, Tränender Saumpilz und Marzipan-Fälbling kursieren. Als Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist er in der Lage, Arten zweifelsfrei zu bestimmen. Allein in Borken und Umgebung ist Adam bislang 600 bis 800 verschiedenen Spezies auf die Spur gekommen. Längst nicht alle sind zum Verzehr geeignet. Die wenigsten giftig, die aber richtig. „Wer sich nicht hundertprozentig sicher ist, welche Pilze er vor sich hat, sollte sie auf keinen Fall essen, sondern stehenlassen oder sie einem Fachmann zeigen“, sagt Adam und will das doppelt und dreifach unterstrichen wissen.

Seine Leidenschaft für Pilze hänge ganz entscheidend mit seinem Onkel Willi zusammen. Der habe nach dem Krieg den kargen Speiseplan mit Pilzen aufgefüllt, erinnert sich Adam. Bestandteil herbstlicher Mahlzeiten war dann unter anderem der Kahle Krempling. Bis in die 1970er Jahre hinein war das ein geschätzter Speisepilz, der auch auf Märkten gehandelt wurde. Adams Rat im Lichte der heutigen Wissenschaft: In keinem Fall essen! Der Pilz ist heute als tödlich giftig eingestuft. Der Kahle Krempling war schon immer roh oder nicht ausreichend gegart giftig und führte zu erheblichen Magen-Darm-Problemen. Sein Onkel habe das gewusst. „Sonst würde ich jetzt nicht hier stehen“, sagt Adam und lacht wieder. Todernst berichtet er dann aber: „Neben der Roh-Giftigkeit kann der Pilz jedoch nach wiederholtem Genuss eine allergische Reaktion auslösen, die zu einer Hämolyse, einer Auflösung der Roten Blutkörperchen, führen kann.“

Neben dem Aussehen ist der Geruch ein entscheidendes Kriterium für die Bestimmung eines Pilzes. Als Beispiel nennt Adam den Karbol-Egerling, der von der Optik leicht mit dem Wiesen-Champignon und dem Anis-Champignon verwechselt werden kann und unangenehm nach Phenol riecht, früher Karbol genannt. Adam kürzt den Stiel mit seinem Pilzmesser. „Die gelbe Färbung weist darauf hin, dass er giftig ist.“

Der 79-Jährige scheint ein fotografisches Gedächtnis für Pilzvorkommen in der Region zu haben. Unter mächtigen Buchen im Sternbusch sagt er plötzlich: „Vor etwa 40 Jahren habe ich in diesem Waldstück ein einziges Mal einen Marzipan-Fälbling gefunden.“ Dessen Duft: selbsterklärend. Warum es bei dieser einmaligen Entdeckung blieb, erklärt der Fachmann so: „Es schwirren unzählige Milliarden Pilzsporen durch die Luft, und irgendwann haben die mal genau hier das ideale Substrat gefunden.“

Kaum spricht‘s Adam aus, macht er am Rand des Waldwegs die nächste Entdeckung. Aus dem feuchten Boden recken sich längliche Hüte empor, und das zu Dutzenden. Es sind, da muss der Mykologe keine Sekunde überlegen, junge Schopf-Tintlinge. „Ein häufig vorkommender Speisepilz“, erklärt Adam. Er holt sich ein Exemplar auf die Hand und macht mit dem Messer einen Längsschnitt. Das stangenähnliche Innere ist strahlend weiß. „Genau deswegen und wegen seines zarten Geschmacks nennt man den Schopf-Tintling auch Spargelpilz“, erklärt Adam. Und noch etwas zum Namen: Tintling heißt er deshalb, weil die älteren Exemplare (die aber auch nur einige wenige Tage auf dem Buckel haben) am Rand ihrer Kappe eine tintenfarbige Flüssigkeit absondern.

Mit Blick auf sein Alter trete er als Sachverständiger inzwischen ein bisschen kürzer. Auf der Expertenliste des Dachverbandes im Internet habe er – A wie Adam – immer an erster Stelle gestanden – und deshalb Anrufe aus ganz Deutschland entgegennehmen dürfen. „Aber Leuten in Bayern zu raten, wie sie den Hallimasch aus dem Garten bekommen, war dann doch ein bisschen zu viel des Guten“, nennt er ein Beispiel. Wenn er aber zu den Pilzwanderungen, zu denen der Natur- und Vogelschutzverein Borken in diesem Oktober einlädt, hinzugebeten wird, ist Adam gern zur Stelle.

Pilzsammeln scheint ein Trend zu sein. Naturerlebnis plus Selbstversorgung, die Leute mögen das. Hier und da bemerkt er als regelmäßiger Waldbesucher die Auswüchse. „Ich sah mal welche, die suchten mit Harken nach Pfifferlingen. Das geht gar nicht: So macht man das Myzel kaputt, das symbiotische Geflecht der Pilze mit den Baumwurzeln“, tadelt Adam. Leider habe er in dieser Gegend schon seit Jahren keine Echten Pfifferlinge mehr gesehen.

Nach dem Sternbusch steuert Adam noch kurz ein Birkenwäldchen zwischen Gemen und Ramsdorf an. „Da gibt es Schopf-Tintlinge in rauen Mengen“, verspricht er. Das habe er gestern auf einer Radtour gesehen. Und tatsächlich: Schon von weitem leuchten die weißen Kappen im grünen Gras. Aber was muss Adam da mitansehen: Der Bestand ist zum Teil abgeerntet, der unbekannte Sammler hat die Stengel abgeschnitten und liegengelassen – und damit auf „Spargel“ im Herbst verzichtet. Adams kopfschüttelnder Kommentar: „Das kann nur ein Anfänger gewesen sein.“

Borkener Zeitung vom 18. Juli 2022

Veröffentlicht am 13. September 2022 in der Kategorie Presse

Satellitentechnik soll Ackergrenzen klären

Stadt kennzeichnet Feldgrenzen

Für den Natur- und Vogelschutzverein Kreis Borken ist es ein altes Thema. Schon seit 1990 weisen Vereinsmitglieder auf die Überackerung von Wegrändern hin, erklärt der Vorsitzende Jochen Teroerde. Gemeint sind die Ränder von Wirtschaftswegen, die zumeist in städtischem Besitz sind und die eigentlich als Blühstreifen der Natur dienen sollen. Teilweise werden die Streifen aber von Landwirten, die daneben ihre Felder haben, mitbewirtschaftet. Ein Ärgernis für die Naturschützer.

Auch die Stadtverwaltung drängt die Grundbesitzer immer mehr dazu, auf die Grenzen zu achten. „Im Rahmen von Luftbildauswertungen wird immer wieder festgestellt, dass Anliegerinnen und Anlieger sowie Landwirtinnen und Landwirte öffentliches Eigentum nutzen“, heißt es aus dem Rathaus auf Anfrage der BZ. Um dem entgegenzuwirken, sollen künftig immer dort, wo Ausbesserungsarbeiten an Wirtschaftswegen stattfinden, auch gleich die Grundstücksgrenzen genau bestimmt werden. Dafür setzt die Stadtverwaltung seit etwa einem Jahr ein satellitengestützes Gerät ein.

Ist die Grenze ermittelt, werde das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht, erklärt Maria Mertens von der Stadt Borken. Sie geht davon aus, dass Landwirte nicht immer absichtlich über die Grenzen ihrer Äcker hinwegpflügen. Häufig seien die Grenzen nicht eindeutig festzustellen. Dennoch gelte der Grundsatz: Wegerandstreifen sind kein Raum für Pflug, Schlegel und Rasenmäher. Die ermittelten Grenzen werden daher mit kleinen Pfählen markiert. In der Vergangenheit sind einige dieser Markierungen aber unbemerkt wieder entfernt worden. Als nächster Schritt kommen größere Zaunpfähle zur Kennzeichnung der Grenzen infrage, erklärt Maria Mertens. Durch die Markierungen „können Feldraine und Wegränder ,wiederbelebt‘ werden und damit auf kommunaler Fläche die Artenvielfalt steigern, Rückzugsräume bieten und einen Beitrag zur Biodiversität leisten“, so die Stadtverwaltung.

Mit den Landwirten habe sie schon auf mehreren Winterversammlungen über das Problem gesprochen, berichtet Maria Mertens. Allerdings beschränke sich das Phänomen nicht nur auf die Landwirtschaft. Innerorts komme es vor, dass städtische Flächen zum Beispiel von Gartenbesitzern oder von Wohnmobilbesitzern als Stellplätze genutzt werden.

Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des landwirtschaftlichen Kreisverbandes, bestätigt, dass bei Versammlung der Landwirte über dieses Thema gesprochen wurde. Das Überschreiten von Grenzen passiere aber „in beide Richtungen“, sagt Sümpelmann. „Die Stadt ist auch auf Flächen von Bauern unterwegs.“ Das liege oft daran, dass Grenzen zwar im Kataster erkennbar seien, aber nicht draußen auf der Fläche.

Das „Überackern“ ist nicht nur in Borken ein Thema. 2016 prüfte der Kreis Coesfeld, wie viel an kommunaler Fläche von Landwirten in Anspruch genommen werden. Das Ergebnis: 212 Hektar.

Der Natur- und Vogelschutzverein beschäftigt sich nach wie vor mit Thema und lädt alle Interessierte zu einem Vortragsabend am 11. August (Donnerstag) ab 19.30 Uhr im Gasthaus Geers, Neustraße 2, in Gemen ein. Referentin ist Maria Mertens von der Stadt Borken.

Die Stadt Borken weist darauf hin, dass der Geodatenatlas des Kreises Borken einen Überblick über Flächengrenzen gibt. Auf geodatenatlas.kreis-borken.de muss die Karte „Liegenschaftskataster“ ausgewählt werden. Dort muss unter „Karteninhalt“ als Grundkarte „Luftbilder“ ausgewählt werden.